Max Ernst Gesellschaft e.V.

Faszinierende Matinee „Einkleidung der Braut“

Kennen Sie Max Ernsts Assistenz-Teufelchen? Falls nicht, sollten Sie sich mit der „Einkleidung der Braut“ beschäftigen. Eine vom Künstler selbst signierte Kopie befindet sich im hiesigen Max Ernst Kabinett. Das Original hängt in der Sammlung Guggenheim in Venedig, welche die Max Ernst Gesellschaft im Herbst besuchen wird. Dank der Vermittlung von Dr. Jürgen Pech und auf Einladung der Gesellschaft erläuterte Dr. Ludger Derenthal, Mitglied im Beirat, das Gemälde in einer hinreißenden Matinee.

Das Bild gilt als eines der wichtigsten Werke, die Max Ernst mit der von ihm fortentwickelten Methode der Decalcomanie schuf. Es ist aber auch von hohem Aussagewert in Bezug auf die persönliche Situation des Künstlers: Vermutlich entstand es in der zweiten Hälfte des Jahres 1940. Der im nationalsozialistischen Deutschland als „entarteter Künstler“ geltende Max Ernst war mehrfach in Frankreich als suspekter Ausländer in Internierungslager gesperrt worden. Er musste die Entäußerung seines Hauses im südfranzösischen Saint Martin d´Ardèche, den Verlust wichtiger Werke verkraften. Er wusste nicht, ob er die nach einem Nervenzusammenbruch geflohene Leonora Carrington wiedersehen, ob er jemals wieder mit ihr zusammen arbeiten würde. Bannte er im Bild Sehnsüchte und Erfahrungen erlebter Grenzsituationen?

Die „Einkleidung der Braut“ gibt dem Betrachter viele Rätsel auf. Wissenschaftler liefern, wie Derenthal anschaulich darlegte, historische, alchemistische, psychoanalytische und andere kluge Deutungen. Sie stellen hoch interessante Zusammenhänge her zwischen überkommenen Bildmustern, mythologischen Vorstellungen, finden Vorformen in früheren Werken des Künstlers und werfen neue Fragen auf: Herrschaft, Sieg oder Fremdheit der Braut? Abwehr oder Hilfe durch die fratzenhaften, teuflischen Ungeheuer und ihre Assistenz-
Figuren? Alle Erklärungsversuche sind nur bruchstückhaft, aber sie
lassen erahnen, wie komplex und facettenreich die Bildwelt des Künstlers
gewesen sein muss und sie lassen erkennen, wie meisterhaft er Ahnungen,
Ängste und Stimmungen Gestalt zu geben vermochte.

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