Max Ernst Gesellschaft e.V.

Salvador Dali: „Der Surrealismus bin ich!“
Vortrag von Dr. Torsten Otte in der September-Veranstaltung der Max Ernst Gesellschaft

„Ein brillanter Vortrag!“ lautete das einhellige Urteil aller, die den Ausführungen von Dr. Torsten Otte gefolgt waren. Der Jurist (praktizierender Rechtsanwalt) und Kunsthistoriker stellte den exzentrischen Künstler Salvador Dali (1904–1989) in einer Lebendigkeit vor, die selbst ausgewiesene Kunstkenner total überraschte – und überzeugte. Eigentlich sprach er gar nicht über Dali, sondern – und das machte die Besonderheit dieser Veranstaltung aus – er ließ Dali selbst sprechen oder, besser gesagt, sich präsentieren. Aus einer schwindelerregenden Fülle von Zitaten, Bild- , Ton- und Filmdokumenten erhob sich sozusagen der Magier des Realismus und zog die Zuschauer in seinen Bann. Ein Kaleidoskop von Eitelkeiten, Manien, schlicht gesagt Verrücktheiten, breitete sich in der Galerie am Schloss aus, veranlasste zu Staunen, Schmunzeln, herzhaftem Lachen. Dennoch war es keine Aufzählung von Marotten, vielmehr schälte der Referent aus allen Macken des publikumssüchtigen Egomanen Dali das Portrait des großen surrealistischen Künstlers heraus: Dali, der meisterhafte Beherrscher konventioneller Maltechniken, der geniale Erfinder neuer Ausdrucksweisen, der Tüftler, der scheinbar Unvereinbares zu stimmigen, überzeugenden Kunstwerken zusammenschweißte, der Provokateur, der zurückstieß und anzog. Der Geldgierige, der großzügig verschwendete und der die berechtigten Zweifel an der Authentizität seines späten graphischen Werkes nicht behob. Der unerschöpflich Neues Erfindende, der die Wiederholung zu einem Prinzip seines Werkes machte. Ein faszinierender Mensch, der zu den begabtesten und kreativsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt.
Eine geglückte Präsentation, die vertieft werden kann durch die Lektüre von:
Torsten Otte, Salvador Dali, Eine Biographie mit Selbstzeugnissen des Künstlers, Würzburg 2006.

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